Umgang mit Informationen

Gestern hatte ich ein Telefonat mit Jenni, die gerade an einem mehrtägigen Workshop zum “Umgang mit Informationen” teilnimmt. Dazu wollte sie mich als “extreme user” (das ist kein Kompliment, oder?) interviewen, was wohl ein Arbeitsauftrag war.

In dem Telefonat haben wir uns gemeinsam über die Nutzung und Kontrolle von Informationen Gedanken gemacht, was einerseits sehr lustig und andererseits so gewinnbringend war, dass ich mich gleich öffentlich darüber auslasse. Die Flut an digitalen Informationen macht mir eigentlich wenig Sorgen und Nöte. Viel mehr habe ich den Eindruck, sie zumindest teilweise beherrschen und kontrollieren zu können. Lässt sich diese Flut doch gut durchsuchen, filtern oder einfach auch mal abstellen.

Dass ich doch ein Nerd bin, fiel mir in dem Gespräch auf, als ich vom “analoges Chaos” berichtete. Wenn ich abends nach Hause komme und mich drei Menschen, zwei Katzen und ein Hund mit den bei ihnen über den Tag aufgestauten Informationen in einem bunten Durcheinander versorgen und das ganze Filtern und Kanalisieren plötzlich viel schwieriger ist. Oder wenn ich meiner Frau aus dem Drogeriemarkt um die Ecke ein bestimmtes Waschmittel mitbringen soll und vor einer Auswahl von gefühlt 600 verschiedenen Flaschen stehe. In der Flut finde ich das geforderte nur sehr schwer und wünsche mir Strg+F, um das ganze mal eben zu durchsuchen.

Der Umgang mit digitalen Informationen ist eben doch manchmal einfacher….aber nichts geht über das analoge Chaos beim Nachhause kommen!!

EDIT 04.03.2011:

Kaum beginnt hier langsam die Diskussion in den Kommentaren, da gibt es auch schon einen Blog-Carnival zu diesem Thema organisiert von Andrea Back und Jochen Robes.

4 Responses to “Umgang mit Informationen”

  1.   Esther
    Februar 23rd, 2011 | 13:49       

    I referred to the blogposting below in my tweets earlier but your blog reminded me of it. It’s about easier management of digital sources.

    http://blogs.bmj.com/bmj/2010/11/03/annabel-bentley-information-overload-are-you-waving-or-drowning/

  2. Februar 23rd, 2011 | 14:01       

    Hi Esther,
    thanks a lot for that source. It is a good example for the information flood. This was discussed a lot during AMEE 2007 in Trondheim (http://multiermedia.edublogs.org/archives/86) and I think this great amoint of publications was the reason to start the EBM journal (http://ebm.bmj.com/).
    bw, Jan

  3.   Jenni
    Februar 26th, 2011 | 09:51       

    Hallo Jan,
    es war in der Tat noch ein sehr interessanter Workshop.
    (http://www.hpi.uni-potsdam.de/d_school/news/beitrag/informationsflut-als-herauforderung-workshop-mit-der-dschool-stanford-und-hasso-plattner.html)
    So interessant, dass ich es mir nicht verkneifen kann hier noch ein bißchen mehr dazu zu schreiben. Aber zunächst einmal:
    Doch, Jan, ich denke Du bist ein Extreme User und es ist schon ein Kompliment in diesem Fall. Ich habe es Dir zwar schon am Telefon gesagt, aber ich gebe Deinem “fishing for compliments” gerne nach und schreibe es hier nochmal grau auf weiß: Der Grund, warum ich auf Dich als “Extreme User” gekommen bin, war mein Gefühl, dass Du unglaublich leicht und ungezwungen/stressfrei mit allen möglichen digitalen Kanälen umgehst (was ja offensichtlich auch so ist!).
    Dein “Problem” mit Informationsfluten im analogen Kontext hat mich dann aber doch überrascht. Das ist mir nun wieder fremd (außer morgens in einer überfüllten U-Bahn)! Wir haben dann noch viele Menschen interviewt und haben immer wieder Ähnliches gehört. Wir konnten hier mehrere Muster erkennen: Erstens haben diejenigen Menschen wenig Stress mit Info-Fluten, die es zu einem gewissen Expertentum gebracht haben. Dafür bist Du ein Beispiel, aber auch eine Bibliothekarin, mit der ich gesprochen habe. O-Ton: Ich weiß halt, wie man mit Google spricht. Fazit: Du bist einfach kein Waschmittel-Experte, sorry.
    Zweitens haben Menschen keinen Stress mit Info-Fluten, die keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie die „falschen“ Informationen nutzen. Ein Beispiel ist der 14ährige, der sagt: Es gibt nie zu viel Informationen! Und auf die Gegenfrage, wie er denn entscheidet, wenn Google ihm 3.000.000 Seiten anbietet, sagt: isch nehm die Erste.
    Wow!
    Drittens: Viel von dem, was wir als Informations-Overload empfinden, hängt kausal mit einem allgemeineren sozialen Problem zusammen, nämlich dem stetigen Zwang/Druck in Richtung Wachstum. Es ist eben nie „genug“, egal was Du tust. Dies betrifft besonders (aber nicht nur!) eine bestimmte Schicht von prekär beschäftigten Hochleistern. Viele von denen, die den Workshop besucht haben, konnten sich damit identifizieren.
    Ein sehr schönes Statement aus einer der anderen Gruppen: In former days heroes knew everything, today heroes know what is relevant and tomorrow heroes will have the courage just not to know.
    Ein bisschen pathetisch, ich weiß, aber ein schönes Schlusswort erstmal.
    Ich erzähle gerne auch noch etwas über die Ergebnisse des Workshops. Es ging ja eigentlich darum, Innovationen für den besseren Umgang mit Informationen zu entwickeln. Nun hab ich aber schon so viel geschrieben, und bin etwas unsicher, wer das hier liest, und wie die Interessenlage ist, so dass ich erstmal das Feedback abwarte…
    Beste Grüße
    Jenni

  4. Februar 26th, 2011 | 10:00       

    Hi Jenni,
    danke für Deine Antwort. Wie schön, wenn das “fishing for compliments” auch mal klappt ;-) Ich finde Euren Workshop wahnsinnig spannend und habe ich schon etwas im Blog herumgelsen (https://d-school-blog.hpi-web.de/?p=2203).
    Die von Dir vorgestellten drei Muster erscheinen mir sehr überzeugend. Das ist wirklich ein extrem spannendes Thema und ich hoffe, dass wir das weiter vertiefen. Vielleich erklärst Du Dich ja sogar bereit, einen Workshop zum Thema “Information overload (?)” auf der NOVICE-summerschool oder der GMA-Tagung im Tiermedizin-Teil zu gestalten. Das fände ich super.
    Liebe Grüße und schönes Wochenende, Jan

Leave a Reply