Posted by multiermedia on November 29th 2007 to
Privates
So hieß das Thema einer Podiumsdiskussion eines Stadtelternrates, die ich gestern Abend besucht habe. Geladen waren Landtagsmitglieder vier großer Parteien (CDU, SPD, FDP, B90/Die Grünen). Zusätzlich fanden sich noch knapp 25 Interessierte ein. Eine eher klägliche Anzahl, doch der Grund wurde schnell klar, als statt konstruktiver Diskussion polemischer Wahlkampf veranstaltet wurde.
Überhaupt konnte ich einiges lernen:
1) Es scheint so etwas wie Elternfunktionäre zu geben. Diese haben Kinder auf privaten Schulen, verbringen aber fast ein Jahrzehnt in Stadtelternräten. Dabei kommt es dann wohl eher zu politischer Klüngelei als zu tatsächlichen Taten.
2) Es scheint keine interne politische Diskussion zu geben. Stadträte kamen auf diese Elternveranstaltung, um Fragen an die Landtagsmitglieder zu stellen. Oder sollten die vom Thema abweichenden themenübergreifenden Fragen etwa eine parteipolitische Wahlkampftaktik gewesen sein?
3) Lehrer sind Opfer, Eltern Täter. Selbst auf einer Veranstaltung des Stadtelternrates wurde proklamiert, dass arme, idealistische Lehrer komplett von den Eltern eingebremst werden, die nicht bereit sind zu kooperieren und die Kinder nur in der “Verwahranstalt Schule” abgeben wollen (meine Erfahrungen sind genau andersherum). Auffällig war allerdings die extrem hohe Lehrerdichte im Publikum und auf der Bühne
Mittlerweile hatte ich verstanden, warum die meisten Eltern die Champions League Spiele dieser Veranstaltung vorzogen. Während ich den Titel missverstanden hatte und dachte, es ginge darum, dass Lehrer eine neue Sicht ihres Berufes bräuchten und damit die Schulen ändern könnten, wurde diskutiert, dass mehr neue Lehrer eingestellt werden sollen. Parteiprogramme wurden vorgestellt. Zum Teil mit radikalem Charme (Die neue Schule), zum Teil mit werterhaltenden Komponenten (CDU, SPD) oder auch mit dem sinnvollen Blick zu Pisa-Gewinnern (FDP). Fragt sich, ob innovative Ideen kleiner Parteien nicht in Koalitionsverhandlungen zu sehr gestutzt werden…
Nicht geübt im politischen Vokabular schienen mir aber viele Forderungen sehr gleich zu sein: eigenständige Schulen mit eigenem Budget, verstärkte Förderung und Integration, mehr Lehrer, kleinere Klassen, Mediennutzung und neue Lernmethoden. Einziger Streitpunkte war dann: gegliedertes Schulsystem oder Gesamtschulen (wie auch immer diese genannt werden). Auffällig, dass die beiden großen Parteien hier einen Kompromiss fahren (ohne dies so zu nennen).
Ich hätte so gerne noch gehört, ob denn die Lehrer dafür ausgebildet sind, neue Unterrichtsformen zu gestalten, Medien einzusetzen, Selbstlernkompetenzen zu vermitteln, gegenseitiges Lehren und Erklären zu unterstützen. Und ich hätte so gerne gewusst, ob die Schulen überhaupt in der Lage sind, eigenständig Personalpolitik zu betreiben und selbst Lehrer einzustellen und zu bewerten. Aber als das ganze in eine typische Wahlkampfveranstaltung mit höhnischen Rufen aus dem Publikum ausartete, habe ich leise meinen Mantel genommen und bin gegangen…
Heute morgen habe ich in Spiegel online gelesen, dass Deutschland trotzdem in den neuen Pisa- und Iglu-Studien aufholt. Na, dann ist ja alles gut, oder?